Bar 5,1-9
Phil 1,4-6.8-11
Predigt zum Evangelium:
Lk 3,1-6
Evangelium Lk 3,1-6
Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung
der Sünden. So erfüllte sich, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!
Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.
MITTWOCHSGEDANKEN ZUR SONNTAGSPREDIGT
Konjunkturprogramm
„Und nun die Verkehrs-meldungen. Staus bestehen zur Zeit auf fol-
genden Strecken:
Auf der A 3 etwa 12 Kilometer zwischen…“ – Na, Sie kennen das sicher auch zur Genüge, diese ellenlangen Aufzählungen im Radio, die an manchen Tagen kaum enden wollen.
Hier liegt nur ein Spanngurt auf der Fahrbahn, dort ist ein Lastwagen umgekippt. Stau, Stau, Stau – nichts geht mehr! So manch einer verpasst einen wichtigen Termin oder kommt zu spät zur Arbeit. Wer wie die Fernfahrer und Pendler tagtäglich damit leben muss, der kann ein trauriges Lied von solchen Verkehrsbehinderungen singen. Und so baut der Staat an manchen regelmäßig staugefährdeten Strecken die Autobahnen immer weiter aus, auch dank des Konjunktur-
programms zur Ankurbelung der krisengeschüttelten Wirtschaft.
Um ein Straßenbauprogramm geht es auch im heutigen Evangelium. Doch immer schön der Reihe nach. Zuerst ein-
mal stellt der Evangelist Lukas uns ganz genau vor, wer zu jener Zeit in Politik und Religion das Sagen hatte. Es wimmelt geradezu von Namen: Tiberius, Pontius Pilatus, Herodes, Philippus, Lysanias, Hannas und Kajaphas.
Diese detaillierte Aufzählung hat natürlich ihren Grund.
Lukas stellt seinen Lesern damit deutlich vor Augen, dass es im Evangelium um tatsächliche Fakten geht und nicht um eine nette, aber ausgedachte Geschichte. Gott ist in seinem Handeln immer ganz konkret.
Was sich hier abspielt, das geschieht nachprüfbar und in einer ganz bestimmten geschichtlichen Situation, an einem ganz bestimmten Ort. Und da sind eine ganze Reihe von Men-
schen, die zu dieser Zeit die Mächtigen sind, die die Geschicke der Menschheit lenken.
In diese konkrete Situation hinein kommt nun das Wort Gottes. Es kommt nicht nach Rom, damals der Nabel der Welt, und nicht einmal nach Jerusalem, der Hauptstadt der Juden. Nein, das Wort Gottes kommt in eine Einöde, in eine Wüstenlandschaft, abgelegen und lebensfeindlich. Hier trifft das Wort Gottes auf Johannes, den Täufer, Sohn des Zacharias.Johannes ist eine faszinierende Figur. Er ist ein Bußprediger, der ganz asketisch lebt und sich nur von dem Wenigen ernährt, was die Wüste hergibt. Doch er hat den Menschen, die in Scharen zu ihm pilgern, etwas zu sagen.
Im Evangelium des nächsten Sonntags wird uns Johannes und seine Botschaft deshalb noch näher vorgestellt.
Im heutigen Evangelium fällt sofort eine ungewöhnliche Formulierung auf. Nach der Aufzählung der langen Namens-
liste heißt es: „Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes…“
Das Wort Gottes „erging“. Das steht nicht zufällig so da.
Wenn ich mit jemandem gesprochen habe, dann erging mein Wort jedenfalls nicht. Ein König kann aber Gnade vor Recht ergehen lassen, und dazu lässt er einen dementsprechenden Befehl ergehen.
Wenn also das Wort Gottes an Johannes „erging“, dann ist dies eine klare Ansage an uns: Diese Formulierung, die wir auch bei prophetischen Büchern des Alten Testaments finden (z.B. Jeremia, Hosea), sagt ganz viel aus über die Kraft und Autorität des Wortes Gottes.
Das wird noch deutlicher, wenn man den Begriff genauer übersetzt. Dann heißt es, dass das Wort Gottes geschieht auf Johannes hin. Gottes Wort allein ist also schon ein Geschehen. Es bewirkt etwas, und zwar ganz gewaltig. Der Prophet Jeremia bemerkte dazu: „Das Wort Gottes ist wie ein Hammer, der Felsen zer-schlägt…“ (Jer 23,29) - Wir haben so auch die Schöpfungs-geschichte in Erinnerung. Da heißt es z.B.: „Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.“ (Genesis 1,3) – Nur ein Wort von Gott genügt, um die gewaltigsten Geschehnisse zu ermöglichen, und ein Wort von Gott ist im heutigen Evange-
lium der Grund, warum dieser Johannes zu solch einem beeindruckenden Rufer in der Wüste werden kann.
Der Evangelist Lukas schreibt daran anschließend: „So erfüllte sich, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“
Das heißt: Was Gott vor langer Zeit durch den Propheten Jesaja verkünden ließ, das wird jetzt, hier und heute, mit dem Auftreten von Johannes ganz konkrete, handfeste Wirklichkeit.
Jetzt ist die Zeit da, jetzt greift Gott ins Geschehen auf Erden ein, jetzt erfüllt sich, was Gott uns zugesagt hat.
Nach Gottes Ratschluss ist jetzt der Punkt gekommen, an dem er mit seiner Heilsgeschichte in unsere menschliche Unheilsgeschichte eingreift, und zwar erst einmal durch einen Ausrufer, der dem eigentlichen Herrn vorausgeht.
Ein solches Voraus-kommando war und ist auch in der Politik üblich. Bevor ein Gipfel-
treffen der Staats-männer statt-
findet, werden von fleißigen Helfern vielerlei Vorbereitungen getroffen. - Bevor früher ein König in eine Stadt einzog, schickte er einen Herold voraus, der den Herrscher lautstark ankündigte, damit das ganze Volk zu seiner Begrüßung die Straßen säumen und ihm zujubeln konnte.
Heute steht Johannes als solch ein Vorauskommando vor uns. Er weiß um die bevorstehende Ankunft des Herrn, aber er weiß auch um den Stand der nötigen Vorbereitungen.
Und damit meint er seine Zeitgenossen und ihren Willen zur Umkehr auf Gott hin, aber auch unsere persönlichen Vor-
bereitungen, um den Herrn begrüßen zu können. Johannes ruft uns zu einem regelrechten persönlichen Straßenbau-
programm auf. ...
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