10.11.2009

33. Sonntag im Jahreskreis B - 15.11.2009


Dan 12,1-3
Hebr 10,11-14.18
Predigt zum Evangelium:
Mk 13,24-32


Evangelium
Mk 13,24-32
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr (all) das geschehen seht, daß das Ende vor der Tür steht. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.


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Frühlingsgefühle im November


Was für ein Evangelium ist denn das? Gibt es zur Abwechslung in der Kirche heute mal Weltuntergangsstimmung pur?
Sofort am Anfang ist heute von einer großen Not die Rede, die kommen wird. Schlimmer noch: nach dieser großen Not folgen dramatische Ereignisse, wie sie furchterregender nicht sein könnten: Die Sonne wird sich verfinstern, der Mond wird nicht mehr scheinen, und die Sterne werden vom Himmel fallen. Einfach unvorstellbar – das wird die galaktische Katastrophe schlechthin!

Offenbar gerät zu jenem Zeitpunkt die ganze physikalische Ordnung des Universums aus den Fugen. All das, was ganz selbstverständlich als sichere Grundlage allen irdischen Lebens gilt, wird gewaltig erschüttert werden. So schildert es das heutige Evangelium. Gerade der Sternenhimmel und die Sonne sind doch für uns wie ein Sinnbild von absolut harmonischer Ordnung und verlässlicher Dauerhaftigkeit!

Viele Zeitgenossen werden eifrig mit dem Kopf nicken:
Klar doch, das haben wir doch immer schon gesagt. Irgendwann kommt der ganz große Knall. Ende und aus. Feierabend für die Erde. Feierabend für alle.
Die Menschheit kriegt endgültig das Licht ausgeknipst. Aus die Maus! -
Und schnell werden sie alle in diesen Chor miteinstimmen: Sektenanhänger, Jünger aller möglichen Weltuntergangs-Propheten von Nostradamus bis zur Möchtegern-Wahrsagerin aus Fernsehen oder Zeitschrift, Kartenleger und wer weiß was sonst noch alles.
Auch die Vertreter der Ellenbogen-Mentalität sind da gerne mit einem Spruch mit von der Partie, frei nach dem Motto:
Alles geht sowieso den Bach runter! Lasst uns also auf die Pauke hauen, dass es kracht! Wir wollen Spaß, wir wollen so viel von allem, wie wir irgendwie mit beiden Händen schaufeln können. Wir sind doch nicht blöd! Jetzt gilt es – und nach uns die Sintflut!

Wer in diesen Kategorien denkt, der hat das heutige Evangelium nicht zu Ende gelesen oder gehört. Es geht eben nicht um die große Panikmache. Das Thema ist eben nicht: Großalarm - das Weltall brennt! Vielmehr geht es um ein Ereignis, das alle Christen weder überraschen noch schockieren soll.
Da bricht eben nicht völlig überraschend der Winter herein und kein Mensch hat Winterreifen montiert. Zumindest die Christen wissen es und sind rechtzeitig gerüstet dafür. - Es geht um den endgültigen Advent, um die Erfüllung unserer Vater-unser-Bitte: „Dein Reich komme!“. –
In der Messfeier beten wir nach den Wandlungsworten: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ – Wir wissen es: Der Herr wird wiederkommen, und zwar „mit großer Macht und Herrlichkeit“, wie es im heutigen Evangelium heißt.

Schon das Wort „Herrlichkeit“ signalisiert, dass dies wohl kaum als Drohung gedacht sein kann. Oder fühlen Sie sich bedroht, wenn Sie etwas ganz Herrliches sehen? Einfach herrlich wird es sein, wenn der Herr einst wiederkommt! Unbeschreiblich herrlich!
Seine Engel wird er aussenden, heißt es. „…vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels“ werden seine Boten unterwegs sein. Das heißt doch: sie werden überall unterwegs sein, in jedem Winkel, an jedem Platz, an den sie als Boten geschickt werden. Ihre Aufgabe ist klar formuliert: Sie sollen die Menschen, die der Herr ausgewählt hat, aus allen Ecken und Enden zusammenführen und zu ihm bringen. Eine himmlische Extrafahrt gewissermaßen. Keiner wird dabei vergessen.

Das ist die frohe Botschaft an die, die auf dieses Ereignis vorbereitet sind. Und das ist das Stichwort für das heutige Evangelium: es geht um die richtige Vorbereitung!
Jesus wählt dazu einen sehr anschaulichen Vergleich.
Vom Feigenbaum sollen wir Christen lernen: „Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht.“
Dazu muss man wissen, dass im Lande Israel wegen des milden Klimas viele Bäume im Winter ihr Laub behalten. Der Feigenbaum gehört zu den wenigen Bäumen, die auch dort ihr Laub abwerfen und daher im Frühjahr neue Blätter treiben. Wenn es dann so weit ist, kann jeder, der nicht mit völliger Blindheit geschlagen ist, eindeutig und zweifelsfrei er-
kennen: Aha, jetzt geht es mit dem Frühling los, der Sommer ist also nicht mehr weit!

Jesus macht uns damit klar, dass es kein Rätselraten geben wird um die Zeichen der Zeit. Nein, da wird keine Spekulation nötig sein, kein Kartenlegen und keine Wahrsagerei. All das ist Unsinn, denn das Ende wird so deutlich und unmiss-
verständlich erkennbar sein wie das Austreiben saftiger Blätter. Allerdings nur für diejenigen, die die Augen offen halten. Wenn Jesus ausgerechnet ein Bild des Frühlings wählt, ein Bild des Wachsens, dann will das bei uns Christen ganz besondere Frühlingsgefühle wecken: Ja, da grünt alle Hoffnung, da wird Leben sein in Fülle! ...

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03.11.2009

32. Sonntag im Jahreskreis B - 08.11.2009

1 Kön 17,10-16
Hebr 9,24-28
Predigt zum Evangelium:
Mk 12,38-44




Evangelium Mk 12,38-44
In jener Zeit lehrte Jesus eine große Menschenmenge und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt, und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben. Sie bringen Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.
Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluß hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.



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Reiche arme Witwe


Wir alle kennen das aus der Zeitung:
Ein großes Foto zeigt einen edlen Spender, vielleicht von einer Bank oder einer namhaften Firma, der händeschüttelnd einer sozialen Organisation eine über-
dimensionale Kopie eines beachtlichen Schecks überreicht. Aus dem Fernsehen sind uns Bilder präsent, wie Prominente sich bei einer Wohltätigkeits-Gala ins Zeug legen und telefonisch eifrig die Spenden notieren. Unten im Bild sieht man dann meistens ein Laufband mit Namen und Summen von Spendern, während ein großes Showprogramm die Fernsehzuschauer am Umschalten hindern soll.

Auch das Überreichen von Millionen-Spenden wird gerne vor laufender Kamera zelebriert. Gerade in schwierigen Zeiten ist es erfreulich, dass die Bereitschaft zum Abgeben, zum Teilen nicht nachgelassen hat. Die Spenden-Manager wissen jedoch, dass man schon viele Register ziehen muss, damit die Menschen ihr Herz und ihren Geldbeutel öffnen. Besonders wirksam ist es, den Menschen möglichst viele Vorbilder zu zeigen, also Menschen, deren großzügige Spende zur Nachahmung ermuntern soll.

Und damit sind wir schon mitten im Geschehen des heutigen Evangeliums. In dem riesigen Gelände des Jerusalemer Tempels befinden wir uns im sogenannten Vorhof der Frauen, den nur die Juden betreten dürfen. Von dort aus dürfen die israelitischen Männer weitergehen in den Vorhof der Männer. Jesus ist mit seinen Jüngern auch im Tempelbezirk ange-
kommen. Es ist die letzte Station vor seinem Leiden und Sterben.

Die ständigen Aus-
einandersetzungen mit Schriftgelehrten und Pharisäern haben Jesus große Enttäuschungen bereitet. Immer wieder haben sie ihm Steine in den Weg gelegt. Paragraphenreiter sind die meisten von ihnen, denen die Botschaft Jesu sehr missfällt. Allein schon die Tatsache, wie Jesus mit dem Sabbatgebot umgeht, macht ihn in ihren Augen zum Gotteslästerer.

Jesus seinerseits warnt die Menschen immer wieder vor solchen frommen Scheinheiligen, die anderen Wasser predigen und selber nur Wein trinken. Die Menschen hören ihm sehr aufmerksam zu, wenn er den Schriftgelehrten z.B. vorhält, dass sie ständig in ihren langen Gewändern umher-
gehen, um nur ja von jedem erkannt und gegrüßt zu werden. Sie sorgen schon dafür, dass sie selbst nirgendwo zu kurz kommen.
Sogar vor den Witwen, den Ärmsten der Armen, machen sie nicht Halt. Anstatt diesen beizustehen und ihnen bei Aus-
einandersetzungen zu ihrem Recht zu verhelfen, nutzen sie diese aus und kassieren oft genug als Lohn für ihre Be-
ratungstätigkeit noch deren einfache Häuser, den einzigen Besitz. Dann stehen diese Frauen buchstäblich auf der Straße. Die Einheitsübersetzung formuliert es fast zurück-
haltend: „Sie bringen Witwen um ihre Häuser…“
Bei wörtlicher Übersetzung dieser Stelle erkennt man besser ihre Gier. Es heißt dort eigentlich: „Sie fressen die Häuser der Witwen…“ – Ja, wer arm ist, der ist wirklich arm dran!

Solche Schriftgelehrten sind nur Schauspieler, denn sie machen ihren Mitmenschen etwas vor. Sie spielen frommes Theater. Ihr Herz hängt am eigenen Geldbeutel und Ansehen, aber nicht an Gott. Jesus macht keinen Hehl daraus, dass Gott sie dafür zur Rechenschaft ziehen wird.

Doch heute, kurz vor seinem Leiden, darf Jesus auch das genaue Gegenteil eines solchen heuch-
lerischen Verhaltens erleben, wie uns das Evangelium schildert. Jesus ist mit seinen Jüngern im Vorhof der Frauen eingetroffen. Dort setzt er sich irgendwo in der Nähe der Opferkästen nieder und sieht dem Treiben eine ganze Weile zu. Dreizehn verschiedene Opferkästen stehen dort, je nach dem vorgesehenen Verwendungszweck.

Es ist Ehrensache für jeden Juden, mindestens den Zehnten seiner Einkünfte zu spenden. Die Spenden werden nicht nur für soziale Zwecke verwendet, sondern auch für den teuren Tempelbetrieb, für die Priester, für goldene Gefäße und den Erhalt der Bau-Substanz.
Am Tempel war nämlich in unglaublich großen Mengen echtes Gold verarbeitet worden, denn dieses so prächtige Haus Gottes sollte verstehen helfen, wie prächtig und herrlich Gott selbst ist.

Die frommen Besucher kommen in einer Reihe nach und nach zu den Priestern nach vorne, die an den Opferkästen Dienst tun. Aus den Spenden wird keine Geheimniskrämerei gemacht, ganz im Gegenteil: Man tritt an den Priester heran und gibt ihm vor den Augen der anderen das Geld. Nun fragt der Priester laut und deutlich hörbar, wofür der Betrag verwendet werden soll. Ebenso laut und deutlich hat man zu antworten. Dann prüft der Priester das Geld, ob es überhaupt im Tempel zugelassenes Geld ist, wiederholt laut die Summe, und erst dann darf es in den passenden Kasten eingeworfen werden. Sicher motiviert die Öffentlichkeit und Unüberhör-barkeit dieses Vorgangs manch einen zu einer besonders großzügigen Gabe - also nicht ungeschickt gemacht, das Ganze, fast schon wie im Fernsehen.

Wie schon bei der eingangs erwähnten Wohltätigkeits-Gala unserer Zeit gibt es auch hier im Tempel schon besonders große Spenden. In diesem Falle wird der edle Spender besonders gewürdigt, indem seine Tat im Tempel hinaus-
posaunt wird, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Auf ein Zeichen des Priesters hin ertönen durchdringend die sogenannten Schofar-Hörner, und die Summe wird im Beisein des Spenders lautstark ausgerufen.

Jesus betrachtet sich dieses Schauspiel und staunt sicher nicht schlecht über die anerkennenswerte Großzügigkeit mancher Reicher, die sich wirklich nicht lumpen lassen. Allerdings weiß Jesus auch, dass diesen Leuten ihr Opfer nicht wirklich wehtut und ihnen wohl kaum eine schlaflose Nacht bereiten wird. Sie geben gerne, aber sie geben wohl-
dosiert, sie geben von ihrem Überfluss so viel ab, wie sie Gott eben zugestehen wollen...

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27.10.2009

Allerheiligen - 01.11.2009

Offb 7,2 – 4,9-14
1 Joh 3,1-3
Predigt zum Evangelium:
Mt 5,1-12a



Evangelium: Mt 5,1-12a

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

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Jede Menge Glückspilze


Die Uhren
haben Sie inzwischen längst auf Winterzeit umgestellt, aber haben Sie auch Ihre Autoreifen schon gewechselt?
Klar, in Deutschland gibt es keine allgemeine Winterreifen-
pflicht. Aber wer bei winterlichen Straßenverhältnissen den Verkehr wegen falscher Reifen oder mangelhafter Profiltiefe behindert, kassiert ein Bußgeld und einen Punkt in der Verkehrssünderdatei in Flensburg. Bei einem Unfall riskiert man zusätzlich den Versicherungsschutz wegen grober Fahrlässigkeit. Das kann furchtbar teuer werden, wenn Personenschäden hinzukommen. Es ist also im eigenen Interesse und ein Gebot der Klugheit, sich frühzeitig auf einen eventuellen Fall der Fälle einzustellen, also vorzusorgen. Dann ist man auf der sicheren Seite.

Wenn wir das heutige Evangelium betrachten, könnten wir auch erst einmal annehmen, dass Jesus hier gute Ratschläge für den Ernstfall gibt, also so eine Art Bedienungsanleitung für den Himmel, damit man auch da auf der sicheren Seite ist.
Er zählt eine ganze Reihe von Verhaltensweisen auf, durch deren Befolgung man zu denen gehören wird, die selig sind, denen das Himmelreich gehört. Die Barmherzigen, die Friedensstifter, die Armen vor Gott, die Trauernden, die Verfolgten und Beschimpften, die Gewaltlosen, die nach Gerechtigkeit Hungernden… - all diesen verspricht er:
„Selig seid ihr…!“

Heute, am Hochfest Allerheiligen, passt dieses Evangelium natürlich sehr gut. Schließlich endet der heutige Text mit dem Satz: „Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ Doch gerade dieses „Freut euch und jubelt“ zeigt uns an, dass Jesus hier nicht mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger steht.
Es geht ihm nicht darum, den Zuhörern ein schlechtes Gewissen zu machen, nach dem Motto: Da seht ihr, wie ihr eigentlich sein solltet! - Nein, von Freude und Jubel ist ausdrücklich die Rede. Diejenigen, die nach den oft brutalen Spielregeln dieser Welt von den meisten wohl eher als Verlierer angesehen werden, die sind in Wirklichkeit, in Gottes Wirklichkeit, ausgesprochene Glückspilze!
Sie hören hier eine verbindliche Zusage: Ihr habt allen Grund zum Jubeln, zur Freude. Gott wird es euch auf seine Art danken!

Viele Heiligennamen stehen in unseren Kalendern, und viele haben so im Laufe des Jahres ihren eigenen Festtag. Das heutige Fest erinnert uns aber daran, dass es viel mehr sind, unfassbar viele, die nach einem vorbildlichen Leben ihren Lohn im Himmel empfangen haben. Da gibt es eben nicht nur die Giganten unter den Heiligen und Seligen, deren Namen in aller Munde sind, vom heiligen Nikolaus über Franz von Assisi bis hin zu Mutter Teresa aus Indien. Nein, allein die offizielle Liste der Kirche verzeichnet derzeit fast 7.000 Heilige und Selige und weit über 7.000 Märtyrer, von denen ganz zu schweigen, über deren Heiligkeit niemand weiß außer Gott.

Wenn man näher hinschaut, sieht man, dass da eine ganz bunte Schar zusammenkommt. Es gibt sie eben nicht, die Einheitsheiligen nach festem Normmaß. Da gibt es Kinder und Alte, da gibt es Handwerker und Priester, da gibt es einfache Menschen und tiefgeistige Mystiker. Gerade in der Frühzeit des Christentums und in Hitlers Drittem Reich haben viele ihren Glauben nicht verleugnet, sondern sind dafür ins Leid oder gar in den Tod als Märtyrer gegangen. Auch heute noch werden zahlreiche Christen wegen ihres Glaubens in vielen Ländern verfolgt und benachteiligt.

Wir sind immer in der Versuchung, die Heiligen auf einen möglichst hohen Sockel zu heben. Da stehen sie dann gut.
Schön weit weg vom Alltag und für uns unerreichbar. Das hat den Vorteil, dass man die Heiligen als Exoten und irgendwie weltfremde Träumer abtun kann. Unsere Sprache spricht von „seltsamen Heiligen“ und meint damit schrullige Einzelkämpfer, fernab von Gut und Böse, fernab von jeder Realität, einfach lebensuntauglich.

Da ist es gut, dass uns das heutige Evangelium wieder auf den Boden zurückholt. Jesus zählt Verhaltensweisen auf, die keineswegs unerreichbar sind. Wenn er da z.B. sagt, „Selig, die arm sind vor Gott“, dann heißt das nicht, dass Leute gemeint sind, die keinen Cent mehr in der Tasche haben.
Arm sein vor Gott – das heißt doch in erster Linie: Wer sich
in aller Demut vor Gott stellt und weiß, dass es nur Gott ist, der meine Leere mit seiner Gnade und Liebe füllen kann, der gehört vor Gott schon dazu zu seiner riesigen Jubelschar...

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24.10.2009

Johanna, die Märchen-Päpstin: Anmerkungen zum Kino-Film


„In Ingelheim finden sich keinerlei Spuren dieser Frau.“ – Knapper als das Museum in Ingelheim kann man einen Verriss kaum formulieren. Was als Buch schon ein großer Publikumserfolg war, soll es nun im Kino werden: die „Päpstin Johanna“ aus Ingelheim bei Mainz, als Film soeben überall auf den Markt geworfen. Gierig wird der skandalträchtige Stoff aufgesogen: Da ist eine als Mann verkleidete Frau doch tatsächlich auf den Stuhl des Papstes gelangt und wird erst durch die Geburt eines Kindes ertappt.
Endlich können die prächtigsten Vorurteile gegen die Kirche wieder so richtig zum Zuge kommen. Man hat es ja schon immer gewusst…

Was Buch und Film dem Konsumenten vermitteln, ist jedoch schlicht und einfach ein Märchen, eine Legende. Die reale „Person der Geschichte“, die da 853 für zweieinhalb Jahre Päpstin gewesen sein soll, ist angeblich in Ingelheim als Tochter eines Dorfpriesters aufgewachsen und gut ausgebildet worden. Als junger Mann verkleidet soll sie z.B. in Athen studiert haben.
Ruft man jedoch die Internetseite des Museums in Ingelheim auf, folgt die Ernüchterung: Trotz der Prominenz der Genannten ist am Ort ihrer Kindheit keinerlei Hinweis auf sie auffindbar. Doch auch in Rom müsste solch ein spektakuläres Geschehen in vielen zeitgenössischen Chroniken erwähnt worden sein. Wer würde sich schon solch einen Skandal entgehen lassen?

Auch hier jedoch Fehlanzeige: Erst 400 Jahre später, im Jahr 1278, erwähnt der Dominikanermönch Martin von Troppau sie in seiner Chronik der Päpste und Kaiser. Aber klar, argumentieren nun die Befürworter der Päpstin-Theorie, gerade das sei ja der beste Beweis: Die Kirche habe mit größter Sorgfalt alle Beweise vernichtet… -
Wenn also nichts da ist und das als Beweis gilt, dann können wir hiermit gleich mal nebenbei beweisen, dass die Römer bereits die Telefonie mit Handy beherrschten, denn nirgendwo fand man bei Ausgrabungen römische Telefonkabel…
Aber im Ernst: Es gibt genügend Hinweise auf die Absurdität der Päpstinnen-Theorie. Einige seien hier als Link zum Anklicken aufgeführt:


Wikipedia über die Legende
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Umfassende Klarstellung über die „Fabelfrau“
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„DIE WELT“ über die angebliche Päpstin
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Kirchengeschichtler: Die Päpstin ist „pure Fiktion“
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Historiker Michael Hesemann: „Ein Märchen für Erwachsene“
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Kirchenzeitung über die angebliche Päpstin
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Filmfotos aus „Die Päpstin“
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Museum Ingelheim: „keinerlei Spuren dieser Frau“
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„Allgemeine Zeitung“: Päpstin aus Ingelheim?
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20.10.2009

30. Sonntag im Jahreskreis B - 25.10.2009 / Sonntag der Weltmission

Jer 31,7-9
Hebr 5,1-6
Predigt zum Evangelium:
Mk 10,46b-52




Evangelium Mk 10, 46-52

In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus.
Sobald er hörte, daß es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun?
Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen,
und er folgte Jesus auf seinem Weg.

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Störfall in Jericho


Wir haben es am liebsten, wenn alles so seinen Gang geht. Schon bei kleinen Kindern kann man beobachten, wie wohl sie sich fühlen, wenn alles seine gewohnte Ordnung hat. Alles ist wie immer, und alles ist an seinem Platz. Wir wissen, woran wir sind. Störungen sind da eher irritierend, eher unerwünscht. Tritt gar eine größere Störung auf, sind wir erst einmal hilflos. Solche Störfälle fürchten wir nicht nur bei Atomkraftwerken und in der internationalen Banken- und Finanzwelt. Heftige Störungen machen auch im privaten Bereich Angst, wie z.B. Krankheiten oder andere unliebsame Überraschungen.

Im heutigen Evangelium können wir miterleben, wie vor den Toren der schönen Palmenstadt Jericho ein akuter Störfall eintritt. Jericho, wahrscheinlich die älteste Stadt der Welt, liegt fast 300 m unter dem Meeresspiegel in der Senke des Jordans, nicht weit vom Toten Meer. Im Winter zieht sich König Herodes gerne vom 800 m hoch gelegenen Jerusalem hierher in die Wärme zurück.
Jericho ist aber traditionell auch so eine Art Sammelstelle für die zahlreichen Wallfahrer. Vor dem gefährlichen Anstieg hoch nach Jerusalem wird hier Rast gemacht. In größeren Gruppen geht man dann die letzten 24 mühsamen Kilometer bis zum Ziel. Gerade jetzt vor dem Pascha-Fest ist der Strom der Pilger wieder wie erwartet groß, und die Geschäfte gehen dementsprechend gut.

Draußen vor der Stadt sitzt ein blinder Bettler. Er wird uns sogar namentlich vorgestellt: es ist Bartimäus, also der Sohn des Timäus. Offenbar ist er stadtbekannt, sonst macht die Namensnennung in der Bibel wenig Sinn.
Bartimäus hat einen guten Platz zum Betteln ergattert. Hier, an der Straße nach Jerusalem, müssen alle irgendwann an ihm vorbei. Zum Jubel über gute Geschäfte besteht bei ihm dennoch kein Anlass. Blind ist er, und Blindheit gilt wie andere Behinderungen als Strafe Gottes für begangene Sünden.
Er sitzt hier nicht nur draußen vor der Stadt, sondern auch draußen vor der Gemeinschaft der gläubigen Juden. Er ist gewissermaßen exkommuniziert; man meidet den Kontakt mit ihm.

Wie ein Häufchen Elend sitzt er da, seinen Mantel vor sich ausgebreitet. Bartimäus ist immer, Tag für Tag, Jahr für Jahr, auf die Gnade und Barmherzigkeit anderer angewiesen. Diese Barmherzigkeit wirft man ihm in kleiner Münze vor die Füße, in seinen Mantel, damit das Kleingeld nicht wegrollt. Eine deutliche Verachtung erkennt man in den Gesichtern so mancher Wallfahrer, denn so einer hat es nicht besser verdient. Wer weiß, warum er mit Blindheit geschlagen ist. Wer weiß, für welche Untaten er hier büßt….

Aber man will ja nicht so sein. Schließlich ist man als Pilger verpflichtet, Werke der Barmherzigkeit zu tun. Und fromm,
wie man ist, gibt man diesem armen Würstchen halt sein Scherflein. Oder aber man schaut beim Vorübergehen einfach nicht hin, eindeutig die preiswertere Lösung...

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19.10.2009

Weihnachtsmann statt Nikolaus? - Mit mir nicht!


Schon seit Wochen sind die Supermärkte mit tonnenweise Weihnachtsware überschwemmt. Auch die Schoko-Männer mit den Zipfelmützen fehlen nicht. Vielerorts von Schoko-Nikoläusen mit Mitra keine Spur. Das hat seine Gründe...

In meinem Kommentar finden Sie auch viele Linktipps zum christlichen Nikolaus und auch Bezugsquellen für echte Schoko-Nikoläuse .

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